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Texte von Lao-Tse

Das Weiche besiegt das Harte

 

Das Weiche besiegt das Harte,

das Schwache triumphiert über das Starke.

Das Geschmeidige ist stets dem Unbeweglichen überlegen.

Das ist das Prinzip der Beherrschung der Dinge,

indem man sich mit ihnen in Einklang bringt,

das Prinzip der Meisterschaft durch Harmonie.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)

 

 

Der Axtdieb

 

Ein Mann fand eines Tages seine Axt nicht mehr. Er suchte und suchte, aber sie war verschwunden.

Der Mann wurde ärgerlich und verdächtigte den Sohn seines Nachbarn, die Axt genommen zu haben.

An diesem Tag beobachtete er den Sohn seines Nachbarn ganz genau. Und tatsächlich: Der Gang des Jungen war der Gang eines Axtdiebs. Die Worte, die er sprach, waren die Worte eines Axtdiebs. Sein ganzes Wesen und sein Verhalten waren die eines Axtdiebs.

Am Abend fand der Mann die Axt durch Zufall hinter einem großen Korb in seinem eigenen Schuppen.

Als er am nächsten Morgen den Sohn seines Nachbars erneut betrachtete, fand er weder in dessen Gang, noch in seinen Worten oder seinem Verhalten irgendetwas von einem Axtdieb.

 

(nach Lao Tse, gefunden in: Gelassenwerden. - Herder, 1996)

 

 

Der Reifen eines Rades

 

Der Reifen eines Rades

wird gehalten von den Speichen,

aber die Leere zwischen ihnen

ist das sinnvolle beim Gebrauch.

 

Aus nassem Ton formt man Gefäße,

aber das Leere in ihnen

ermöglicht das Füllen der Krüge.

 

Aus Holz zimmert man Türen und Fenster,

aber das Leere in ihnen

macht das Haus bewohnbar.

 

So ist das Sichtbare zwar von Nutzen,

doch das Wesentliche bleibt unsichtbar.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)

 

 

Dreißig Speichen treffen die Nabe

 

Dreißig Speichen treffen die Nabe,

Die Leere dazwischen macht das Rad.

 

Lehm formt der Töpfer zu Gefäßen.

Die Leere darinnen macht das Gefäß.

 

Fenster und Türen bricht man in Mauern.

Die Leere darinnen macht die Behausung.

 

Das Sichtbare bildet die Form eines Werkes.

Das Nicht-Sichtbare macht seinen Wert aus.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)

 

 

Dreißig Speichen treffen die Nabe

 

Dreißig Speichen treffen die Nabe,

Die Leere dazwischen macht das Rad.

 

Lehm formt der Töpfer zu Gefäßen.

Die Leere darinnen macht das Gefäß.

 

Fenster und Türen bricht man in Mauern.

Die Leere darinnen macht die Behausung.

 

Das Sichtbare bildet die Form eines Werkes.

Das Nicht-Sichtbare macht seinen Wert aus.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)

 

 

Der Weise wirkt, ohne etwas zu tun

 

Der Weise wirkt, ohne etwas zu tun

und lehrt, ohne etwas zu sagen.

Dinge tauchen auf

und er lässt sie kommen;

Dinge verschwinden

und er lässt sie gehen.

Er hat, aber er besitzt nicht

und wirkt, aber er erwartet nichts.

Wenn sein Werk getan ist, vergisst er es-

deshalb ist es von Dauer.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)

 

 

Du möchtest die Welt bessern?

 

Du möchtest die Welt bessern?

Ich glaube nicht, dass das gelingen kann.

 

Die Welt ist heilig.

Sie kann nicht verbessert werden.

Wenn du dich einmischst,

wirst du sie verderben.

Wenn du sie festhältst, wirst du sie verlieren.

 

Es gibt eine Zeit voranzugehen,

und eine Zeit zurückzubleiben;

eine Zeit zu reden

und eine Zeit zu schweigen;

eine Zeit, sich zu verausgaben

und eine Zeit zu ruhen.

 

Der Weise sieht die Dinge, wie sie sind,

ohne dass er sie beherrschen will.

Er meidet das Zusehr, Zuviel, Zugroß,

und lässt der Entwicklung freien Lauf -

So bleibt er in seiner Mitte.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King - aus: Deuter/von Rohr)

 


Handle ohne zu tun

 

Handle ohne zu tun,

arbeite ohne Anstrengung.

Betrachte das Kleine als groß

und das Wenige als Vieles.

Stelle Dich dem Schwierigen,

solange es noch einfach ist.

Vollende die große Aufgabe

durch eine Vielzahl kleiner Taten.

 

Der Weise greift niemals

nach dem Großen;

auf diese Weise erlangt er Größe.

Wenn er Schwierigkeiten begegnet,

hält er inne und widmet sich ihnen.

Er hängt nicht an seiner Bequemlichkeit;

auf diese Weise gibt es für ihn keine Probleme.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King 63 aus: Deuter/von Rohr)

 

 

Ein Mensch kommt zart und nachgiebig zur Welt

 

Ein Mensch kommt zart und nachgiebig zur Welt.

Bei seinem Tod ist er hart und starr.

Grüne Pflanzen sind weich und voller Lebenssaft.

Bei ihrem Tod sind sie verdorrt und trocken.

Daher ist das Starre und Unbeugsame

der Schüler des Todes.

Das Weiche und Nachgiebige

ist der Schüler des Lebens.

So gewinnt eine Armee ohne Flexibilität

niemals eine Schlacht.

Ein Baum, der unbiegsam ist,

wird leicht gebrochen.

Das Harte und Starke wird vergehen.

Das Weiche und Schwache wird fortdauern.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)

 

 

Klugheit ist

 

Klugheit ist: andere erkennen.

Sich selbst erkennen: ist Weisheit.

 

Macht ist: andere meistern.

Sich selbst meistern: ist Kraft.

 

Wille ist: andere bescheiden.

Sich selbst bescheiden: ist Fülle.

 

Herr sein über sich selbst: heißt bestehen.

Besteh'n auch über den Tod: heißt Leben.

 

(Lao-tse: Tao-Te-King)

 

 

Ruhm oder Selbst: was zählt mehr

 

Ruhm oder Selbst:

was zählt mehr?

Das Selbst oder Reichtum:

was ist kostbarer?

Gewinn oder Verlust:

was ist schmerzvoller?

 

Wer an Dingen haftet,

wird viel leiden.

Wer hortet,

wird schweren Verlust erfahren.

Ein genügsamer Mensch

ist niemals enttäuscht.

Wer weiß, wann innezuhalten ist,

gerät nicht in Bedrängnis.

Er wird allzeit sicher sein.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King, 44 - Neue Bearbeitung von Gia-Fu Feng und Jane English, Hugendubel Verlag, München 1984)

 

 

Waffen sind Werkzeuge der Trauer

 
Waffen sind Werkzeuge der Trauer

Verächtlich dem Leben Achtenden.

Nicht drängt der Durchdrängte zu ihnen.

Waffen sind Werkzeuge der Trauer.

Nur gezwungen braucht sie der Erhabene.

Sein Kampf entspricht der Gesetzmäßigkeit.

Beruhung ist des Erhabenen Weise

Nichts weiß er von den Weisen der Waffenfreudigen.

Waffenfreude ist Mordfreude.

Wen Mordfreude erfüllt

hat Leben verlassen.

Freudenfeier hat Ehrenplatz Links.

Trauerfeier hat Ehrenplatz Rechts.

Ist Sieg

So steht die Truppe links

der Führer rechts.

Sein Platz entspricht der Trauerfeier.

Tötung heißt Trauer schaffen.

Wessen Handwerk Tote schafft

Der sei wie bei Trauerfeier.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King

 

 

Wer da sagt: Schön

 

Wer da sagt: Schön, schafft zugleich: Unschön

Wer da sagt: Gut, schafft zugleich: Ungut.

Bestehen bedingt Nichtbestehen.

Verworren bedingt Einfach.

Hoch bedingt Nieder.

Laut bedingt Leise.

Bedingt bedingt Unbedingt.

Jetzt bedingt Einst.

 

Also der Erwachte:

Er wirkt, ohne zu werken.

Er sagt, ohne zu reden.

Er trägt alle Dinge in sich,

zur Einheit beschlossen.

Er erzeugt, doch besitzt nicht.

Er vollendet Leben, beansprucht nicht Erfolg.

Weil er nicht beansprucht,

erleidet er nie Verlust.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)

 

 

Will man nehmen muss man vorher gegeben haben

 

Will man nehmen

Muss man vorher gegeben haben.

Will man schwächen

Muss man vorher gekräftigt haben.

Will man beschränken

Muss man Ausdehnung abwarten.

Will man messen

Muss man Maßstab wissen.

Dies erkennen

Heißt die geheimen Zusammenhänge erkennen.

Wahre Härte ist nur ein Grad von Zartheit.

Wahre Zartheit ist nur ein Grad von Härte.

Wie der Fisch nicht leben kann ohne Wasser

So ist nicht Leben

Wo nicht Gesetzmäßigkeit herrscht.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King)



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