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Texte zum Thema "Licht und Schatten"


Der Mann und die Dunkelheit

 

Es war einmal ein Mann, der in einem dunklen Zimmer wohnte. Er mochte die Dunkelheit nicht und er versuchte sie mit Beschimpfungen und Beschwörungen zu vertreiben.

Aber die Dunkelheit verschwand nicht.

Eines Tages besuchte ihn eine weise Frau. Sie sagte zu ihm: „Das was dich ärgert, die Dunkelheit, wie du es nennst, gibt es eigentlich gar nicht. Dagegen zu kämpfen bringt deshalb überhaupt nichts. Konzentriere dich lieber darauf, mehr Licht in deine Wohnung zu bringen und du wirst sehen, dass dein Problem damit von allein verschwindet.“

Der Mann lachte nur und rief: „Ha! Das kann nicht sein. Keine so einfache Methode kann einen so übermächtigen Feind wie die Dunkelheit besiegen. Du irrst, närrisches Weib!“

Und so verbrachte der Mann den Rest seines Lebens in der Dunkelheit, von der er glaubte, sie sei unbezwingbar.

Das Licht einer einzigen Kerze hätte ihn vom Gegenteil überzeugen können.

 
(Autor unbekannt)

 

 

Die Reise nach Jerusalem

 
In Jericho war eine große Arbeitslosigkeit ausgebrochen. Viele Menschen mussten auswandern und woanders nach ihrem Glück suchen. Unter ihnen war auch ein junger Mann,  der sich auf die Reise nach Jerusalem machte, um dort eine neue Anstellung zu finden. Er verließ Jericho zum ersten Mal und er fühlte sich etwas unsicher und ängstlich.

Da er vorher schon etwas über die Menschen in Jerusalem erfahren wollte, fragte er unterwegs jemanden: "Kannst Du mir sagen, wie die Leute in Jerusalem sind?"

Der so Angesprochene fragte zurück: "Wie sind denn die Leute in Jericho?" Der arbeitslose  Mann antwortete: "Ach, sie sind böse, hinterlistig und unsympathisch."

"Ja, genau so sind auch die Leute in Jerusalem." war darauf die Antwort.

Sehr besorgt reiste der Mann weiter und traf wenig später einen anderen Mann. Wieder fragte er: "Kannst Du mir sagen, wie die Leute in Jerusalem sind?"  Und wieder stellte der andere die Frage zurück: "Wie sind denn die Leute in Jericho?"

Diesmal antwortete der junge Mann: "Die Leute in Jericho sind nett, freundlich und sehr liebenswert." Darauf bekam er zur Antwort: "Ja, genau so sind auch die Leute in Jerusalem."

 



Ein Dörfler jammerte seinem Rabbi vor, dass er ständig von seinen bösen Begierden übermannt und dazu gebracht würde, in Lasterhaftigkeit zu verfallen. "Reitest du ein Pferd?" fragte der Rabbi. "Ja", antwortete der Mann. "Was machst du denn, wenn du mal herunterfällst?" – "Ich steig wieder auf", sagte der Mann. "Gut - dann stell dir vor, der böse Trieb ist das Pferd", sagte der Rabbi. "Wenn du fällst, dann steig wieder auf. Und schließlich hast du ihn dann gezähmt."

 
(Chassidische Geschichte)

 

 

Himmel oder Hölle?

 

Nachdem der Mann gestorben war, fand er sich an einem wunderschönen Ort wieder. Ein anderer Mann in edler Kleidung kam auf ihn zu und sagte:

"Ich stehe zu Ihrer Verfügung. Sie können alles haben, was Sie sich wünschen - alle erdenklichen Speisen und alle Besitztümer."

Der Mann freute sich und genoss die leckersten Speisen und all seinen neuen Besitz.

Nach einiger Zeit wurde es ihm langweilig und er rief den Mann in der edlen Kleidung zu sich.

"Ich mag nichts Neues besitzen und ich mag auch nicht mehr essen. Ich brauche eine Aufgabe. Sag, welche Arbeit kannst du mir geben?"

Da schüttelte der andere langsam den Kopf und sprach: "Es tut mir leid, aber diesen Wunsch kann ich Ihnen nicht erfüllen, denn es gibt hier keine Arbeit für Sie."

Darauf rief der Mann: "Aber was soll ich denn tun? Ebenso gut könnte ich in der Hölle schmoren!"

Der andere antwortete leise: "Was glauben Sie, wo Sie hier sind?!"

 
(Nach Margret Stevens, leicht geändert)

 

 

Himmel und Hölle

 

Ein sehr kämpferischer und aggressiver Samurai forderte einmal einen Zenpriester auf, ihm zu erklären, was Himmel und was Hölle ist.

Der weise Priester erwiderte verächtlich: "Du bist nichts als ein Flegel, mit deinesgleichen vergeude ich nicht meine Zeit!"

Da war der Samurai natürlich in seiner Ehre getroffen und wurde rasend vor Wut. Er zog sein Schwert aus der Scheide und schrie den Priester an: "Für deine Frechheit sollst du sterben!"

"Das ist", gab ihm der Priester gelassen zurück, "die Hölle."

Verblüfft von der Erkenntnis der Wahrheit dessen, was der Priester über die Wut gesagt hatte, die er gerade erlebt hatte, beruhigte sich der Samurai. Er steckte das Schwert in die Scheide und dankte dem Priester mit einer Verbeugung für die Einsicht.

"Und das", sagte der Priester, "ist der Himmel."

 
(Alte japanische Legende)

 

 

Schäm dich!

 

Ein Mann kam betrübt zum Meister und begann zu klagen: "Herr, die Menschen sind so schlecht."

Der Alte fragte den Mann: "Wie kommst du darauf"?

"Ach Herr, Menschen stehlen, betrügen, morden. Sie verletzen, verlassen einander, beneiden und bekriegen sich. Auch mir wurde schon die Brieftasche gestohlen!"

"Alle Menschen? Gibt es keinen Menschen, der nicht schlecht ist?"

Der Mann zögerte nicht lange und rief: "Doch natürlich. Da ist meine Frau und mein Bruder. Meine Freunde... Ja, und da seid Ihr Herr."

"Schäm dich! Du bist umgeben von guten Menschen und sagst, sie seien schlecht. Du musst einfach nur glauben was du siehst und nicht nachplappern, was du glaubst!"

 (Tania Konnerth aus: Leben kann so einfach sein)






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