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Texte zum Thema
"Kinder in ihrer Welt - Kinder in unserer Welt"


Die Fragen des Kindes

 

Das Kind kam zu seinem Vater und setzte sich auf seinen Schoß.

"Du Papi, wie funktioniert der Fernseher?"

"Das weiß ich nicht."

"Du Papi, woher kommt der Strom?"

"Das weiß ich nicht."

"Papi, warum wächst das Gras?"

"Ich weiß es nicht."

"Papi, stört es Dich eigentlich, wenn ich all diese Fragen stelle?"

"Natürlich nicht, mein Kind. Wie sollst Du denn etwas lernen, wenn Du keine Fragen stellst!"

 (Geschichte gefunden in: Dillman, Bruce: Ziel um Ziel, Junfermann, leicht geändert)

 

 

Die goldene Schachtel

 

Es war Weihnachten und die kleine Tochter überreichte dem Vater eine golden verpackte Schachtel.

Sie hatte dafür das gesamte, wertvolle Geschenkpapier aufgebraucht und weil das Geld knapp war, war der Vater darüber verärgert. Als er dann das Geschenk öffnete und sah, dass die Schachtel leer war, schimpfte er los:

"Weißt du denn nicht, junge Dame, dass wenn man jemand ein Geschenk gibt, auch etwas in der Verpackung sein soll?" fragte er.

Die Augen seiner Tochter füllten sich mit Tränen und sie sagte: "Aber Papa, die Schachtel ist nicht leer. Ich habe so viele Küsschen hineingetan, bis sie ganz voll war."

Beschämt nahm der Vater seine Tochter in den Arm und bat sie um Verzeihung.

 (urspr. n. Margaret Fishback-Powers, leicht geändert und gekürzt)

 

 

Ein neuer Tag beginnt - was Kinder sich wünschen könnten

 

Lass mir Zeit

und sage mir klar und deutlich,

was Du von mir möchtest.

 

Hilf mir nach meinem Drang

nach Unabhängigkeit und Selbständigkeit zu leben,

auch wenn was daneben geht

- Ich zeige Dir schon wenn ich Hilfe brauche.

 

Ich freue mich, wenn Du mich

rechtzeitig in den Kindergarten bringst,

- Ich kann dann in Ruhe ankommen.

 

Lass uns Rituale finden - Ich kann mich daran festhalten.

 

Habe Verständnis, wenn ich für mich Erfahrungen machen werde

- Ich werde nicht immer alles mit Euch teilen können.

 

Zeige mir, wie ich mich streiten und wieder vertragen kann,

so lerne ich mit Gefühlen umzugehen.

 

Wenn Du mich nicht unterbrichst,

lerne ich meine eigenen Bedürfnisse und die der Anderen zu achten.

 

Ich bin dankbar, wenn Du mir eine Umgebung schaffst,

die meinem Wissens- und Bewegungsdrang gerecht wird.

 

Ich freue mich über alle Anregungen,

die mich kreativ und schöpferisch werden lassen.

 

Frag mich bloß dann, wenn ich etwas wirklich entscheiden kann.

Ich bin dein Kind, Du trägst die Verantwortung für mich.

 

Sei immer ein gutes Vorbild,

dann lerne ich einen achtsamen Umgang

mit Mensch, Natur und Dingen.

 

FÜR ALL DAS DANKE ICH DIR

 

Ich freue mich schon auf M O R G E N.

 

(aus dem Waldkindergarten Schöngeising 2004)

 

 

Eine Menge Klatschen

 
Ein fünfjähriges Mädchen bekam von seiner Mutter ein neues Springseil geschenkt.

Die Mutter zeigte der Kleinen, wie sie das Springseil benutzen konnte und schaute ihr bei ihren ersten Versuchen zu. Schnell schaffte das Mädchen es, einmal zu springen und dann sogar zweimal.

Die Mutter klatschte begeistert.

Das Mädchen übte noch eifriger und konnte nach kurzer Zeit schon recht passabel springen.

Die Mutter klatschte wieder Beifall, drehte sich dann um und machte sich an die Gartenarbeit.

Nach einer Weile kam die Kleine mit traurigem Gesicht zur Mutter und sagte: " Mutti, ich kann es zwar, aber ich brauche eine Menge Klatschen."

 (n. J. Patrick Carroll und Katherine M. Dyckman, umgeschrieben; gefunden in: Die Spiritualität der Unvollkommenheit)

 

 

Erziehungsratschläge eines Kindes

 

Verwöhne mich nicht.

Ich weiß sehr wohl, dass ich nicht alles bekommen kann,

wonach ich frage.

Ich will dich nur auf die Probe stellen.

 

Weise mich nicht im Beisein anderer Leute zurecht,

wenn es sich vermeiden lässt. Ich werde deinen Worten viel

mehr Beachtung schenken, wenn du mich nicht blamierst.

 

Sei nicht ängstlich mit mir,

schenke meinen kleinen Unpässlichkeiten nicht zuviel

Aufmerksamkeit. Sie verschaffen mir nur manchmal die

Zuwendung, die ich benötige.

 

Sei nicht fassungslos, wenn ich sage:

„Ich hasse dich“.

Ich hasse nicht dich, sondern deine Macht,

meine Pläne zu durchkreuzen.

 

Bewahre mich nicht immer vor den Folgen meines Tuns.

Ich muss auch mal peinliche Erfahrungen machen.

 

Mach keine Versprechungen.

Bedenke, dass ich mich schrecklich im Stich gelassen fühle,

wenn Versprechungen gebrochen werden.

 

Unterbrich mich nicht, wenn ich Fragen stelle.

Wenn du das tust, werde ich mich nicht mehr an dich wenden,

sondern versuchen, meine Informationen woanders zu bekommen.

 

Sag nicht, meine Ängste seien albern.

Sie sind erschreckend echt,

aber du kannst mich beruhigen, wenn du versuchst,

sie zu begreifen.

 

Versuche nicht immer so zu tun,

als seiest du perfekt und unfehlbar.

Der Schock ist für mich zu groß, wenn ich herausfinde,

dass du es nicht bist.

 

Denke nicht, es sei unter deiner Würde,

dich bei mir zu entschuldigen.

Deine ehrliche Entschuldigung erweckt in mir

Ein überraschendes Gefühl der Zuneigung.

 

Vergiss nicht, ich liebe Experimente!

Ich kann ohne sie nicht groß werden.

Bitte halt’s aus!

 

Vergiss nicht, wie schnell ich aufwachse.

Es muss für dich sehr schwer gewesen sein, mit mir Schritt zu halten

- aber bitte versuch es auch weiterhin!

 

(Quelle unbekannt)

 

 
Die kleine und die große Hand


Es sagte einmal die kleine Hand zur großen Hand:

Du große Hand, ich brauche dich,

so wie die Blume emporrankt am Holz,

das ihr Halt gibt.

Ich bedarf deiner Kraft und deiner Erfahrung

mit all den Dingen, die du gestaltest.

Ich möchte lernen von dir,

wie man dem Unrecht wehrt

und für das Notwendige einsteht.

Ich bitte dich,

dass du nach Zeiten der Arbeit und Mühe

mit mir spielen wirst und dich auftust dem Leben,

das uns gemeinsam geschenkt ist.

 

Und es sagte die große Hand zur kleinen Hand:

Du kleine Hand, ich brauche dich.

Einer ist da,

der mich hält und führt und begleitet!

Ich bitte dich:

Sei bei mir wie heute,

einfach hingehalten und offen.

Du kleine Hand,

zeige mir immer wieder das Wunder,

dass wir alle unsagbar geliebt sind.

 

(unbekannt)

 

 


Ich rede am liebsten mit Kindern;

denn von ihnen kann man doch hoffen,

dass sie einmal vernünftige Geschöpfe werden.

Aber die es geworden sind - o jemineh!

 

(Sören Kierkegaard)

 

 

Im Grunde lautet die brennende Frage ja so: Sollen wir der Jugend möglichst viel Tradition, Halt und Norm mitgeben, oder sollen wir sie möglichst frei lassen, möglichst zu Elastizität und Anpassungsfähigkeit erziehen. Da die Welt, in die diese Jugend hineinwächst, keine moralische und seelische Ordnung mehr hat, helfen wir im ersten Fall der Jugend zwar, anständig zu bleiben und im Notfall anständig unterzugehen, berauben sie aber der Möglichkeit, in dieser amoralischen, rein dynamischen Welt mitzutun und Erfolg zu haben.

Theoretisch also wäre die Erziehung zu Norm und Orthodoxie das einzig Erlaubte. Wieweit wir die Bindungen trotzdem lockern wollen, muss allein unsere Liebe entscheiden. Wir dürfen es nur vorsichtig tun, und auch im besten Fall können wir nicht verhüten, dass die Jugend allzu früh vor moralische Entscheidungen gestellt und der Kindheit beraubt wird.

 (Hermann Hesse: Ausgewählte Briefe)

 

 

Kinder sind unsere besten Lehrer

 

Kinder sind unsere besten Lehrer

 

Sie wissen bereits, wie man wächst,

- wie man sich entwickelt,

und entdecken, was gut ist

und was schlecht

für den Menschen ist

und welches seine Bedürfnisse sind.

 

Sie wissen bereits,

wie man liebt und fröhlich ist

und das Leben ausschöpft,

wie man arbeitet,

stark und voller Energie ist.

 

Alles, was sie brauchen,

ist der notwendige Raum dafür.

 

(Violet Oaklander)

 

 

Kinder sind weitherzig und vermögen durch den Zauber der Phantasie Dinge in ihrer Seele nebeneinander zu beherbergen, deren Widerstreit in älteren Köpfen zum heftigsten Krieg und Entweder-Oder wird.

 (Hermann Hesse)

 

 

Kindsein ist süß?

 

Tu dies! Tu das,

und dieses lass!

Beeil dich doch!

Sitz nicht so krumm!

Mein Gott, bist du dumm!

Stopf’s nicht in dich rein!

Lass das Singen sein!

Du kannst dich nur mopsen!

Hör auf zu hopsen!

Du machst mich verrückt!

Nie wird sich geschickt!

Schon wieder ‚ne vier!

Hol endlich Bier!

Sau dich nicht so ein!

Das schaffst du allein!

Mach dich nicht so breit!

Hab jetzt keine Zeit!

Lass das Geklecker!

Fall mir nicht auf den Wecker!

Mach die Tür leise zu!

Lass mich in Ruh!

 

Kindsein ist süß?

Kindsein ist mies!

 

(aus: Elisabeth Kleinewiese: All deine Ich)

 


Moritz

 
Ein Vater hält sein schreiendes Kind im Arm und sagt immerzu: „Ruhig, Moritz. Ruhig, Moritz.“

Ein Besucher schaut zu und meint: „Sie haben wirklich vorbildliche Geduld mit ihrem Kind. Was hat den der kleine Moritz?“

Darauf der Vater: „“Er heißt nicht Moritz. Moritz bin ich!“

 (Marco Aldinger)

 

 

Reifezeugnis

 

Ich wollte Nähe

und bekam die Flasche.

Ich wollte Eltern

und bekam Spielzeug.

Ich wollte reden

und bekam ein Buch.

Ich wollte lernen

Und bekam Zeugnisse.

Ich wollte denken

Und bekam Wissen.

Ich wollte einen Überblick

Und bekam einen Einblick.

Ich wollte frei sein

Und bekam Disziplin.

Ich wollte Liebe

Und bekam Moral.

Ich wollte einen Beruf

Und bekam einen Job.

Ich wollte Glück

Und bekam Geld.

Ich wollte Freiheit

Und bekam ein Auto.

Ich wollte einen Sinn

Und bekam eine Karriere.

Ich wollte Hoffnung

Und bekam Angst.

Ich wollte ändern

Und erhielt Mitleid

Ich wollte leben ……….

 

(R. Jung)

 

 

Von den Kindern

 
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Es sind die Söhne und Töchter von des Lebens Verlangen nach sich selber.

Sie kommen durch euch doch nicht von euch;

Und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken,

Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Leib behausen, doch nicht ihre Seele,

Denn ihre Seele wohnt im Hause von Morgen, das ihr nicht zu betreten vermöget, selbst nicht in euren Träumen.

Ihr dürft euch bestreben, ihnen gleich zu werden, doch suchet nicht, sie euch gleich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilet es beim Gestern.

Ihr seid der Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile entsandt werden.

Der Schütze sieht das Zeichen auf dem Pfade der Unendlichkeit, und Er biegt euch mit Seiner Macht, auf dass Seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Möge das Biegen in des Schützen Hand euch zur Freude gereichen;

Denn gleich wie Er den fliegenden Pfeil liebet, so liebt Er auch den Bogen, der standhaft bleibt.

 (Aus: Khalil Gibran: „Der Prophet“)

 

 

Was ich ihm sage

 

Ich gehe mit meinem Sohn ins Freie

und zeige ihm einen Baum,

lasse ihn die Blätter berühren,

das ist ein Blatt, sieh her,

es ist grün, es hat Adern,

so ist es geformt,

greif's an.

Er berührt das Blatt,

und der Zweig zittert mit,

dicke Händchen greifen

ungestüm und zärtlich

nach dem was ich ihm zeige.

Ich lasse ihn barfuß

auf dem Boden stehn, diese Erde

spüren, braune Erde und Kiesel,

festen Lehm, Samen haben es schwer,

darin Wurzel zu fassen, erst Sand

und Blätter, Zweige und Dünger

machen den Boden fruchtbar.

Das alles sage ich ihm.

 

(Simon J. Ortiz)

 

 

Was ist ein Kind?

 

Es ist Liebe, die Gestalt

angenommen hat.

Es ist Glück,

für das es kein Wort gibt.

Es ist eine kleine Hand, die zurückführt

in eine Welt, die man fast vergessen hat.

 

(Verfasser unbekannt)

 

 

Wo ein Werk geschaffen, wo ein Traum weitergeträumt, ein Baum gepflanzt, ein Kind geboren wird, da ist das Leben am Werk und eine Bresche ins Dunkel der Zeit geschlagen.

 (Hermann Hesse: Gesammelte Briefe)




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