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Texte zum Thema "Innerer Frieden - Äußerer Frieden"


Alles Leben steht in einer Wechselbeziehung miteinander.

Wir sind in einem unentrinnbaren System der Gegenseitigkeit gefangen,

in ein einzigartiges Netzwerk des Schicksals gebunden.

Was immer den einzelnen direkt betrifft,

betrifft indirekt auch alle anderen.

Die ineinandergreifenden Strukturen der Wirklichkeit

erfordern unser Zusammenleben.

So ist unsere Welt geschaffen,

das ist ihr auf Wechselbeziehungen beruhendes Wesen.

Wir werden keinen Frieden auf Erden haben,

ehe wir nicht diese gegenseitige Abhängigkeit allen Seins begreifen.

 

(Martin Luther King)



Alles in Ordnung

 
Ein Vater möchte etwas Zeit für sich haben und will seinen Sohn eine Weile beschäftigen. Er gibt ihm ein großes Puzzle, auf dem die Welt dargestellt ist.

Schon nach einigen Minuten kommt der Sohn stolz mit dem fertig zusammengesetzten Puzzle zu seinem Vater.

"Wie hast du es denn so schnell fertig gekriegt?" fragte er überrascht. - Der Kleine antwortete: "Ganz einfach: auf der Rückseite war ein Mensch. Und wenn der Mensch in Ordnung ist, dann ist auch die Welt in Ordnung.

 

 

Eine weitere Version dieser Geschichte:

 

 

Die Welt in Ordnung bringen

 
Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Der aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spiel. Also überlegte er, womit er den Knaben beschäftigen könnte.

Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Das gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei.

Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild.

Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe.

Das Kind sagte: "Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. Und wenn der Mensch in Ordnung ist, dann ist auch die Welt in Ordnung."

 (Quelle unbekannt)

 

 

Auf dem Markt

 
Eine Frau hatte einen Traum.

In diesem Traum besuchte sie einen Markt. Dort inmitten all der Stände traf sie an einem von ihnen Gott.

"Was verkaufst du hier?" fragte die Frau Gott.

Gott antwortete: "Alles, was das Herz begehrt."

Das konnte die Frau kaum glauben. Sie überlegte eine Weile und beschloss dann, das Beste zu verlangen, was sich ein Mensch nur wünschen konnte.

"Ich möchte Frieden für meine Seele und Liebe und Glück. Und weise möchte ich sein und nie mehr Angst haben." sagte die Frau zu Gott. "Und das nicht nur für mich allein, sondern für alle Menschen."

Gott lächelte. "Ich glaube, du hast mich missverstanden. Ich verkaufe hier keine Früchte, sondern die Samen."

 (Anthony de Mello, aus Gib deiner Seele Zeit, leicht geändert)


 
eine weitere Version dieser Geschichte:


Ein junger Mann hatte einen Traum

 
Ein junger Mann hatte einen Traum:

Er betrat einen Laden. Hinter der Ladentheke sah er einen Engel. Hastig fragte er ihn: "Was verkaufen Sie, mein Herr?" Der Engel gab ihm freundlich Antwort: "Alles was Sie wollen!" Der junge Mann sagte: "Dann hätte ich gerne:

- das Ende der Kriege in aller Welt,

- immer mehr Bereitschaft, um miteinander zu reden,

- Beseitigung von Hunger und Elend in aller  Welt,

- Ausbildungsplätze für alle Jugendlichen,

- mehr Zeit der Eltern, um mit ihren Kindern zu spielen,

- und, und ...."

Da fiel ihm der Engel ins Wort und sagte. "Entschuldigen Sie junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte hier, wir verkaufen nur den Samen!"              

 

Der Asket

 
Es war einmal ein Asket. Der saß schon seit Wochen meditierend in einer Höhle.

Eines Tages kam eine kleine Maus vorbei und begann damit, am Schuh des Asketen zu nagen.

Ärgerlich löste er sich aus der Meditation und fragte: "Warum störst du mich, Maus?"

"Ich habe Hunger" sprach die Maus.

"Du dummes Tier! Ich suche die Einheit mit Gott und du störst mich wegen deines Hungers. Verschwinde."

Da fragte die Maus: "Wie willst du dich wohl mit Gott vereinigen, wenn du nicht einmal mit mir einig wirst?"

 (gefunden in: Geschichten für die kleine Erleuchtung, von Marco Aldinger, leicht umgeschrieben)


 

Der erste Friede

 

Der erste Friede,

der wichtigste ist der,

welcher in die Seelen der Menschen einzieht,

wenn sie ihre Verwandtschaft,

ihre Harmonie mit dem Universum einsehen

und wissen, dass im Mittelpunkt der Welt

das große Geheimnis wohnt

und dass diese Mitte tatsächlich überall ist.

Sie ist in jedem von uns.

Dies ist der wirkliche Friede,

alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.

Der zweite Friede ist der,

welcher zwischen einzelnen geschlossen wird.

Und der dritte Friede ist der zwischen Völkern.

Doch vor allem sollt ihr sehen,

dass es nie Frieden zwischen den Völkern geben kann,

wenn nicht der erste Friede vorhanden ist,

welcher, wie ich schon oft sagte,

innerhalb der Menschenseele wohnt!"

 

Die Vögel verlassen die Erde mit ihren Flügeln.

Auch die Menschen können die Erde verlassen,

zwar nicht mit Flügeln,

aber mit ihrem Geist.

 

Hehaka Sapa (1863-1950) Schwarzer Elch

 


Der Lehrer und der Hund

 
Ein Sufi-Lehrer ging gerade mit einem Schüler eine Straße entlang.

Plötzlich wurde er von einem wütenden Hund angegriffen. Das aggressive Tier knurrte und bellte und wollte den Sufi-Lehrer anfallen.

Der Schüler war außer sich und rief: "Was fällt dir ein, meinen Meister so anzugehen!" und er verjagte den Hund.

Während die beiden weitergingen, sagte der Lehrer zu seinem Schüler: "Der Hund ist beständiger als du. Er bellt jeden an, entsprechend seinen Gewohnheiten und Trieben. Du hingegen betrachtest mich als Deinen Meister und machst deshalb einen Unterschied zwischen mir und den anderen. Oft bist du auf unserer Reise schon Menschen begegnet, die du ohne eines Blickes zu würdigen einfach übergangen hast."

Der Schüler schwieg für den Rest des Tages.

 (Idries Shah: "Lebe das wirkliche Glück", Herder, 1996, S. 117, Geschichte leicht überarbeitet)

 

 

Der Träumer

 
Es war einmal ein Mann, der war ein Träumer.

Er dachte sich zum Beispiel: "Es muss doch möglich sein, zehntausend Kilometer weit zu sehen." Oder er dachte sich: "Es muss doch möglich sein, Suppe mit der Gabel zu essen." Er dachte: "Es muss doch möglich sein, auf dem eigenen Kopf zu stehen." und er dachte sich: "Es muss doch möglich sein, ohne Angst zu leben."

Die Leute sagten zu ihm: "Das alles geht doch nicht, du bist ein Träumer!" Und sie sagten: "Du musst die Augen aufmachen und die Wirklichkeit akzeptieren!" Und sie sagten: "Es gibt eben Naturgesetze, die lassen sich nicht ändern!"

Aber der Mann sagte: "Ich weiß nicht... Es muss doch möglich sein, unter Wasser zu atmen. Und es muss doch möglich sein, allen zu essen zu geben. Es muss doch möglich sein, dass alle das lernen, was sie wissen wollen. Es muss doch möglich sein, in seinen eigenen Magen zu gucken."

Und die Leute sagten: "Reiß dich zusammen, Mensch, das wird es nie geben. Du kannst nicht einfach sagen: Ich will und deswegen muss es geschehen. Die Welt ist, wie sie ist, und damit basta!"

Als das Fernsehen erfunden wurde und die Röntgenstrahlen, da konnte der Mann zehntausend Kilometer weit sehen und auch in seinen eigenen Magen. Aber niemand sagte zu ihm: "Na gut, du hast ja doch nicht ganz Unrecht gehabt." Auch nicht, als das Gerätetauchen erfunden wurde, so dass man problemlos unter Wasser atmen konnte.

Aber der Mann dachte sich: "Na also. Vielleicht wird es sogar einmal möglich sein, ohne Kriege auszukommen."

 (von Martin Auer, aus: Der bunte Himmel)

 

 

Die Steinsuppe

 
Es ist Krieg.

Ein sehr hungriger Soldat kommt in ein kleines Dorf in den Bergen. Da er nichts zu essen hat, bittet er die Leute, ihm etwas zu geben. Aber niemand ist bereit, ihm zu helfen. Sie alle haben selbst nicht genug für sich und ihre Familien.

Da geht der Soldat auf den Marktplatz und entfacht ein Feuer. Von einem der Dorfbewohner leiht er sich einen großen Topf, füllt ihn mit Wasser und setzt ihn auf das Feuer.

Unter den misstrauischen und neugierigen Augen der Dorfbewohner klaubt er einen Stein aus der Tasche, riecht entzückt an ihm. Dann wirft er ihn zum Erstaunen aller in das kochende Wasser. Er rührt in dem Topf und ab und zu probiert er einen Löffel.

Den verwunderten Dorfbewohnern erklärt er: "Ich koche eine köstliche Steinsuppe. Aber leider fehlt noch ein klein wenig Salz."

Einer der Dorfbewohner bringt ihm ein bisschen Salz. Dann schmeckt der Soldat erneut seine Suppe ab und sagt: "Mmmh, das ist schon nicht schlecht. Wenn ich nur noch ein klitzekleines Stück Karotte hätte, dann wäre die Suppe wohl perfekt."

Und ein anderer Dorfbewohner bringt ihm ein Stück Karotte.

Auf dieselbe Weise bittet der Soldat auf diese Weise auch um Petersilie und ein Stück Speck und um allerhand Zutaten für eine köstliche Suppe. So trägt nach und nach jeder etwas bei. Und am Ende können alle eine leckere Suppe miteinander teilen.

 

 

Du möchtest die Welt bessern?

 

Du möchtest die Welt bessern?

Ich glaube nicht, dass das gelingen kann.

 

Die Welt ist heilig.

Sie kann nicht verbessert werden.

Wenn du dich einmischst,

wirst du sie verderben.

Wenn du sie festhältst, wirst du sie verlieren.

 

Es gibt eine Zeit voranzugehen,

und eine Zeit zurückzubleiben;

eine Zeit zu reden

und eine Zeit zu schweigen;

eine Zeit, sich zu verausgaben

und eine Zeit zu ruhen.

 

Der Weise sieht die Dinge, wie sie sind,

ohne dass er sie beherrschen will.

Er meidet das Zusehr, Zuviel, Zugroß,

und lässt der Entwicklung freien Lauf -

So bleibt er in seiner Mitte.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King, nach Deuter/von Rohr)

 

 

Ein Bild vom Frieden

 
Es war einmal ein König, der schrieb einen Preis im ganzen Land aus: Er lud alle Künstler ein, den Frieden zu malen und das beste Bild sollte eine hohe Belohnung bekommen.

Die Künstler im Land machten sich eifrig an die Arbeit und brachten dem König ihre Bilder. Aber von allen Bildern, die gemalt wurden, gefielen dem König nur zwei. Zwischen denen musste er sich nun entscheiden.

Das erste war ein perfektes Abbild eines ruhigen Sees. In dem See spiegelten sich die malerischen Berge, die den See umrandeten und man konnte jede kleine Wolke im Wasser wieder finden. Jeder, der das Bild sah, dachte sofort an den Frieden.

Das zweite Bild war ganz anders. Auch hier waren Berge zu sehen, aber diese waren zerklüftet, rau und kahl. Über den Bergen jagten sich am grauen Himmel wütende Wolkenberge und man konnte den Regen fallen sehen, den Blitz aufzucken und fast auch den Donner krachen hören. An dem einen Berg stürzte ein tosender Wasserfall in die Tiefe. Keiner, der das Bild sah, kam auf die Idee, dass es hier um den Frieden ging.

Aber der König sah hinter dem Wasserfall einen winzigen Busch, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. In diesem kleinen Busch hatte ein Vogel sein Nest gebaut. Dort in dem wütenden Unwetter an diesem unwirtlichen Ort saß der Muttervogel auf seinem Nest - in perfektem Frieden.

Welches Bild gewann den Preis?

Der König wählte das zweite Bild und begründete das so: "Lasst Euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen: Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung und heißt vor allem, auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen, ruhig und friedlich im eigenen Herzen zu bleiben."

 (Verfasser unbekannt, frei übersetzt)

 

 

Frieden machen - wie?

 

Das Wort, das wir sprechen,

kann für einen anderen Menschen zum Brot werden,

von dem er ein Stückweit lebt:

eine Minute,

eine Stunde,

vielleicht sogar einen Tag

oder länger,

wenn in unserem Reden

der Wille zum Frieden mitschwingt.

Und Freundlichkeit,

Vertrauen und Anerkennung,

Geduld.

 

Darum auch:

Frieden in unserer Stimme.

 

(Clemens Kunze)

 

 

In der ganzen Welt ist jeder Politiker sehr für Revolution, für Vernunft und Niederlegung der Waffen - nur beim Feind, nicht bei sich selbst.

 
(Hermann Hesse)

 

 

Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Frieden ist der Weg.

 
(Mahatma Gandhi)

 

 

Der Friede ist der Ernstfall in dem wir uns zu bewähren haben. Hinter dem Frieden gibt es keine Existenz mehr.

 
(Gustav Heinemann)

 

 

Ich kann nicht Frieden machen auf der ganzen Welt

 

Ich kann nicht Frieden machen

auf der ganzen Welt

 

Aber ich kann dafür sorgen,

dass in mir selber Frieden ist.

 

Und ihn weitergeben

an meine Kinder,

an meine Eltern,

an die Menschen,

mit denen ich arbeite,

an die, welche ich treffe -

zufällig oder nicht zufällig.

 

Das ist meine Möglichkeit,

Frieden auf dieser Welt zu machen.

 

Nicht mehr und nicht weniger.

 

(Clemens Kunze)

 


 

In dieser Zeit, wo Gewalttätigkeit in Lüge gekleidet so unheimlich wie noch nie auf dem Thron der Welt sitzt, bleibe ich dennoch überzeugt, dass Wahrheit, Liebe, Friedfertigkeit, Sanftmut und Güte die Kräfte sind, die über aller Gewalt stehen. Ihnen wird die Welt gehören, wenn nur genug Menschen die Gedanken der Liebe, der Wahrheit, der Friedfertigkeit und der Sanftmut rein, stark und stetig genug denken und leben.

 (Albert Schweitzer)

 

 

Jeder zählt...

 
Einst fragte die Tannenmeise ihre Freundin, die Wildtaube: "Sag mir was eine Schneeflocke wiegt."

"Nicht mehr als ein Nichts", antwortet die Wildtaube.

"Dann lass mich dir eine wunderbare Geschichte erzählen." sagte da die Meise. "Ich saß eines Tages auf einem dicken Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien anfing. Es schneite nicht heftig, sondern ganz sanft und zart, ohne Schwere. Da ich gerade nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes fielen und darauf hängen blieben. Es waren exakt dreimillionen-siebenhundert-einundvierzigtausend-neunhundert-zweiundfünfzig Schneeflocken, die ich zählte. Und als die letzte der dreimillionen-siebenhundert-einundvierzigtausend-neunhundert-dreiundfünfzig Schneeflocken leise und sanft niederfiel, die nicht mehr wog als ein Nichts, brach der starke, dicke Ast der Fichte ab."

Damit flog die Meise davon.

Die Taube, als Spezialistin für den Frieden, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken: "Vielleicht fehlt ja nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der Welt..."

 (Verfasser unbekannt)

 

 

Kein Krieg?!

 
Als ein Krieg zwischen zwei benachbarten Ländern unvermeidlich schien, schickten die Könige der beiden Länder Späher in das jeweilige Nachbarland. Sie sollten herausfinden, wo man am besten in Feindesland einfallen könnte.

Die Späher kamen zurück und berichteten beiden Königen dasselbe: Es gäbe nur eine einzige Stelle, wo man in das Nachbarland einfallen könnte. Dort aber lebte ein junger Bauer mit seiner schönen Frau und einem Kind. Es hieß, sie wären die glücklichsten Menschen.

"Wenn nun unsere Heerscharen über das Land einfallen, zerstören sie das Glück. Also kann es keinen Krieg geben." Das sahen die Könige ein, und so gab es keinen Krieg.

 (Chinesisch)

 

 

Sich dem Treiben entziehen

 

Es ist nötig,

manchmal anzuhalten,

auszusteigen,

sich dem Treiben zu entziehen,

selbst wenn es noch gut geht,

selbst wenn es noch läuft,

selbst wenn ich noch produktiv bin.

 

Ich will anhalten,

meinen Atem spüren,

mir in die Augen sehen,

meine inneren Bilder leuchten lassen.

 

Ich muss anhalten,

zur Ruhe kommen,

zu mir kommen,

damit ich anderen begegnen kann.

 

(Max Feigenwinter)

 


Waffen sind Werkzeuge der Trauer

Verächtlich dem Leben Achtenden.

Nicht drängt der Durchdrängte zu ihnen.

Waffen sind Werkzeuge der Trauer.

Nur gezwungen braucht sie der Erhabene.

Sein Kampf entspricht der Gesetzmäßigkeit.

Beruhung ist des Erhabenen Weise

Nichts weiß er von den Weisen der Waffenfreudigen.

Waffenfreude ist Mordfreude.

Wen Mordfreude erfüllt

hat Leben verlassen.

Freudenfeier hat Ehrenplatz Links.

Trauerfeier hat Ehrenplatz Rechts.

Ist Sieg

So steht die Truppe links

der Führer rechts.

Sein Platz entspricht der Trauerfeier.

Tötung heißt Trauer schaffen.

Wessen Handwerk Tote schafft

Der sei wie bei Trauerfeier.

 

(Lao-Tse)


 

Wann endet die Nacht?

 
Ein weiser Rabbi stellte seinen Schülern einmal die folgende Frage: "Wie bestimmt man die Stunde, in der die Nacht endet und der Tag beginnt?"

Einer der Schüler antwortete: "Vielleicht ist es der Moment, in dem man einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?"

Der Rabbi schüttelte den Kopf.

"Oder vielleicht dann, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann?"

Der Rabbi schüttelte wieder den Kopf.

"Aber wann ist es dann?"

Der Rabbi antwortete: "Es ist dann, wenn Ihr in das Gesicht eines beliebigen Menschen schaut und dort Eure Schwester oder Euren Bruder erkennt. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns."

 (Nach einer jüdischen Erzählung, leicht geändert, gefunden in: Life-Leadership® von Lothar J. Seiwert)

 

 

Was man zu schätzen weiß

 
Ein Mann kam völlig aufgebracht zum Meister: "Ich brauche dringend Hilfe - sonst werde ich noch verrückt! Meine Frau und ich leben mit unseren Kindern und den Schwiegereltern in einem einzigen Raum. Wir sind mit unseren Nerven am Ende, wir brüllen uns an und schreien. Es ist die Hölle."

"Versprichst Du, alles zu tun, was ich Dir sage?" fragte der Meister den Mann

"Ich schwöre, ich werde alles tun, was Du mir sagst."

"Gut", sprach der Meister "wie viele Haustiere hast Du?"

"Eine Kuh, eine Ziege und sechs Küken."

"Nun nimm sie alle zu Dir ins Zimmer. Dann komm' in einer Woche wieder."

Der Mann war entsetzt. Aber er hatte ja versprochen, zu gehorchen. Also nahm er die Tiere mit ins Haus. Eine Woche später kam er wieder, ein Bild des Jammers. "Ich ein nervöses Wrack. Der Schmutz! Der Gestank! Der Lärm! Wir sind alle am Rande des Wahnsinns!" rief er, als er den Meister sah.

"Geh nach Hause", sagte der Meister, "und bring' die Tiere wieder nach draußen."

Der Mann rannte den ganzen Heimweg. Und er kam am nächsten Tag wieder zum Meister. "Wie schön ist das Leben! Die Tiere sind draußen. Die Wohnung ist ein Paradies - so ruhig und sauber und so viel Platz!"

 (aus Mello, Anthony de: Eine Minute Weisheit, Herder, 1986 - Geschichte leicht überarbeitet)

 

 

Weltfrieden

 

Frieden auf der Erde beginnt nicht damit,

dass wir Forderungen an andere  stellen.

Auch nicht damit,

einen Schuldigen zu suchen.

Frieden auf der Erde beginnt damit,

den ersten Schritt zu tun

und mit uns selbst Frieden zu schließen.

Dann ist es, als wäre in uns

ein strahlendes Licht entzündet,

hell leuchtend von Mensch zu Mensch.

Und wir tragen es über das Land,

bis tiefer Frieden die ganze  Erde erhellt.

 


 

Zwei Wölfe (1)

 
Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten.

 Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend."

"Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?" fragte der Junge.

"Der Wolf, den ich füttere." antwortete der Alte.


 
(Quelle unbekannt, aus dem Englischen übersetzt)

 


 

eine weitere Version dieser Geschichte:

 

 

Zwei Wölfe (2)

 
Ein Junge, wütend auf seinen Freund, der ihm unrecht getan hatte, kam zu seinem Großvater. Der Großvater sprach zu ihm:

„Ich will dir eine Geschichte erzählen: Auch ich war wutentbrannt auf die, die mich verletzt hatten und ihre Taten nicht bereuten. Doch die Wut legt sich und sie tut deinem Feind nicht weh. Es ist, wie wenn du Gift schlucken und hoffen würdest, dass dein Feind daran stirbt.

Ich habe oft mit diesen Gefühlen gekämpft. Es ist, als ob ich zwei Wölfe in mir hätte. Einer ist gut und harmlos. Er lebt in Harmonie mit allem um ihn herum. Er ist nicht beleidigt, wenn keine Beleidigung beabsichtigt war. Er kämpft nur, wenn er das Recht hat zu kämpfen, und dann kämpft er ritterlich.

Doch der andere Wolf ist voller Wut. Der kleinste Anlass genügt für einen Wutanfall. Er kämpft gegen alle, jeder Zeit und ohne Grund. Er kann nicht denken, weil er so wütend ist. Seine Wut ist hilflos, denn sie wird nichts verändern.

Manchmal ist es schwierig, mit diesen zwei Wölfen in mir zu leben, denn beide versuchen, meinen Geist zu beherrschen.“

Der Junge blickte in die Augen seines Großvaters und fragte:

„Welcher gewinnt, Großvater?“

Der Großvater lächelte sanft und sagte:

„Der, den ich füttere.“





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