zurück                                                                                                                              weiter
zurück zur Auswahl


Texte über die Erde



 

Alles auf dieser Erde hat seinen Zweck, jede Krankheit eine Pflanze zu ihrer Heilung und jeder Mensch seine Bestimmung.

Dies ist die Indianische Lehre von der Existenz.

 

Mourning Dove (1888 - 1936)

 

 

Großer Geist

 

bin nicht mehr taub

kann dich wieder hören

die vierflügelige Libelle

flüsterte mir zu

wir sind Brüder

 

Ich höre deine Stimme im Wind,

in den Bäumen...

 

Ich laufe durch das hohe Gras

nicht mehr alleingelassen

mit Mutter Erde vereint.

 

Ich zog sie an mich

und hörte die Ameisen reden

die nie den alten Weg vergaßen...

 

Ich bringe die heiligen Steine.

 

Tahca Isnala

 

 

Der Indianer und die Grille


Ein Indianer, der in einem Reservat weit von der nächsten Stadt entfernt wohnte, besuchte das erste Mal seinen weißen Bruder in der Großstadt.

Er war sehr verwirrt vom vielen Lärm, von der Hektik und vom Gestank in den Straßenschluchten. Als sie nun durch die Einkaufsstraße mit den großen Schaufenstern spazierten, blieb der Indianer plötzlich stehen und horchte auf.

"Was hast du", fragte ihn sein Freund. "Ich höre irgendwo eine Grille zirpen", antwortete der Indianer. "Das ist unmöglich", lachte der Weiße. "Erstens gibt es hier in der Stadt keine Grillen und zweitens würde ihr Geräusch in diesem Lärm untergehen."

Der Indianer ließ sich jedoch nicht beirren und folgte dem Zirpen. Sie kamen zu einem älteren Haus dessen Wand ganz mit Efeu überwachsen war. Der Indianer teilte die Blätter und tatsächlich: Da saß eine große Grille.

"Ihr Indianer habt eben einfach ein viel besseres Gehör", sagte der Weiße im weitergehen. "Unsinn", erwiderte sein Freund vom Land. "Ich werde Dir das Gegenteil beweisen". Er nahm eine kleine Münze aus seiner Tasche und warf sie auf den Boden. Ein leises "Pling" ließ sich vernehmen. Selbst einige Passanten, die mehr als zehn Meter entfernt standen, drehten sich augenblicklich um und schauten in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatten.

"Siehst Du mein Freund, es liegt nicht am Gehör. Was wir wahrnehmen können oder nicht, liegt ausschließlich an der Richtung unserer Aufmerksamkeit. Was Du hörst, sagt mehr darüber aus wie Du denkst, als was Dich umgibt."

(Indianische Weisheit)

 

 

Die Welt in Ordnung bringen

 

Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Der aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spiel. Also überlegte er, womit er den Knaben beschäftigen könnte.

Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Das gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei.

Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild.

Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe.

Das Kind sagte: "Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt."

 

(Quelle unbekannt)

 

 

Du möchtest die Welt bessern?

 

Du möchtest die Welt bessern?

Ich glaube nicht, dass das gelingen kann.

 

Die Welt ist heilig.

Sie kann nicht verbessert werden.

Wenn du dich einmischst,

wirst du sie verderben.

Wenn du sie festhältst, wirst du sie verlieren.

 

Es gibt eine Zeit voranzugehen,

und eine Zeit zurückzubleiben;

eine Zeit zu reden

und eine Zeit zu schweigen;

eine Zeit, sich zu verausgaben

und eine Zeit zu ruhen.

 

Der Weise sieht die Dinge, wie sie sind,

ohne dass er sie beherrschen will.

Er meidet das Zusehr, Zuviel, Zugroß,

und lässt der Entwicklung freien Lauf -

So bleibt er in seiner Mitte.

 

(Lao-Tse: Tao-Te-King aus: Deuter/von Rohr)

 

 

Ich bin das Land.

Meine Augen sind der Himmel.

Meine Glieder sind die Bäume.

Ich bin der Fels, die Wassertiefe.

Ich bin nicht hier, um die Natur zu beherrschen oder sie zu nutzen.

Ich bin selbst Natur.

 

Hopi Indianer

 

 

Ich liebe mein Tipi, mein Zelt. Es ist immer sauber, es ist warm im Winter und kühl im Sommer, ich kann es auf meinen Wanderungen mitnehmen und aufstellen, wo immer ich will. Die weißen Menschen bauen große Häuser; ein Haus kostet sie viel Geld und ist doch nur ein großer Käfig, der die Sonne aussperrt und der krank macht und immer auf demselben Platz steht. Indianer und Tiere verstehen besser zu leben als die weißen Menschen, die vergessen haben, dass die Geschöpfe dieser Erde Luft und Sonne und klares Wasser brauchen, um gesund zu bleiben...

 

Flying Hawk

 

 

Was ich ihm sage

 

Ich gehe mit meinem Sohn ins Freie

und zeige ihm einen Baum,

lasse ihn die Blätter berühren,

das ist ein Blatt, sieh her,

es ist grün, es hat Adern,

so ist es geformt,

greif’s an.

 

Er berührt das Blatt,

und der Zweig zittert mit,

dicke Händchen greifen ungestüm und zärtlich

nach dem, was ich ihm zeige.

 

Ich lasse ihn barfuß

auf dem Boden stehn,

diese Erde spüren,

braune Erde und Kiesel,

festen Lehm,

Samen haben es schwer,

darin Wurzel zu fassen,

erst Sand und Blätter,

Zweige und Dünger

machen den Boden fruchtbar.

 

Das alles sage ich ihm.

 

Simon J. Ortiz



Wenn die Erde nur wenige Meter groß wäre

 

Wenn die Erde nur wenige Meter groß wäre

und irgendwo in einem Wald läge,

dann kämen die Menschen von überall her,

dieses Wunder zu bestaunen.

Die Menschen würden um sie herumgehen,

ihre großen Wasserbecken bewundern und ihre kleinen

und das Wasser das zwischen den Becken fließt.

Die Menschen würden ihre Beulen

und ihre Löcher bestaunen

und die sehr dünne Gasschicht,

welche die Kugel umgibt und den Wasserdunst darin.

Die Menschen würden all die Kreaturen bewundern,

die an der Oberfläche dieser Kugel

und in ihren Gewässern leben.

Die Menschen würden die Kugel für wertvoll erklären,

denn sie wäre die einzige ihrer Art,

und man würde sie schützen,

damit ihr kein Leid geschehe.

Die Kugel wäre das größte aller Wunder

und die Menschen würden zu ihr pilgern,

um sie anzuschauen,

von ihr geheilt zu werden,

um Erkenntnis zu erlangen,

Schönheit zu erfahren

und um zu lernen,

wie das Leben sein könnte.

Die Menschen würden sie lieben

und mit ihrem Leben verteidigen,

weil sie unbewusst fühlen würden,

dass ihr Leben, ihre eigene Rundheit,

nicht existieren könnten

ohne diese Kugel.

Wenn die Erde nur wenige Meter groß wäre.

 

(aus: Zeitenschrift Nr. 1/Nov.'93)



zurück                                                                                                                              weiter
zurück zur Auswahl




http://regenbogenklang.gmxhome.de  |   Mein Gästebuch   |   Haftungsausschluss - Disclaimer